Forschungslab 2011: Gute Forschung will geplant sein

Am 28. und 29. März 2011 war es lauter als sonst im C3 - Centrum für internationale Entwicklung. Insgesamt 70 junge ForscherInnen hatten sich eingefunden, um sich kennen zu lernen und ihre Forschungsarbeit für das kommende Semester zu planen.

Margit Hintersteiner | 13.04.2011
Bis alle eingetroffen und sich gesammelt hatten, konnten die Anwesenden auf Plakaten über  Lieblingsspeisen, besuchte Länder und Herkunftsland der Großeltern Auskunft geben. Die unterschiedlichen Angaben zeigten bereits die Vielfalt, die in der großen Runde, bestehend aus SchülerInnen der KMS 18 und des BG 18 sowie Studierenden der WU Wien und der Uni Wien, zu finden war. Dass Vielfalt in unserer Gesellschaft auch Ungleichheit hervorbringen kann, ist eine Ausgangsüberlegung dieses Projekts. Der Rahmen dieses Forschungslabs ermöglichte es allen, Vielfalt zu erleben und ihr Bewusstsein dafür zu schärfen.

Auch wenn die Ansprüche und Ziele dieser beiden Tage sehr hoch und wissenschaftlich seriös gesteckt waren, sollte der Spaßfaktor nicht hinten anstehen. Nachdem das Projektteam namhaften Persönlichkeiten wie Heinz Fischer, Angelina Jolie oder auch dem Rapper Nazar ihre Stimmen liehen und diese dadurch in kurzen Videobotschaften ihre Begeisterung und ihren Zuspruch zum Projekt mitteilen ließen, aktivierten lustige Aufwärmspiele Körper und Geist.


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Wer mit wem und worüber?

Nach einer kurzen Pause wurde es für die TeilnehmerInnen ernst. Die Themen, zu denen geforscht werden soll, wurden heuer von den SchülerInnen des BG bestimmt, wodurch diese im unmittelbaren, sozialen Umfeld der SchülerInnen angesiedelt sind.
In Form eines Themenbazars priesen die GymnasiastInnen ihre Vorschläge an vom Leben in der Patchworkfamilie über Geschlechterrollen in der Schule und unterschiedlichen Schultypen bis hin zum Umgang mit Homosexualität und Sprachenvielfalt. Eine Reihe spannender Themen wurden vorgestellt. Die KMS SchülerInnen und die Studierenden hatten die Qual der Wahl und konnten sich nach Interesse für ein Thema entscheiden. Um der Vielfalt des Projekts gerecht zu werden, war es wichtig, dass sich die InteressentInnen gleichmäßig auf die Kleingruppen aufteilten.

Nachdem Kennenlernspiele innerhalb dieser Kleingruppen erste Vertrautheit schufen, ging es thematisch in die Tiefe. Anhand ausgewählter, bunter Fotos aus dem Alltag konnten erste Assoziationen eruiert und das thematische Feld umrissen werden. Diese erste Aufgabe zeigte bereits die unterschiedlichen Zugänge der ForscherInnen, die aus dem heterogenen Umfeld und gesellschaftlichen Herkunfts- und Sozialisationsstrukturen resultieren. Dadurch gestaltete sich diese Arbeitsform sehr spannend. In weiteren Gesprächen wurde das Thema näher abgesteckt und Erfahrungen untereinander ausgetauscht, um anschließend auch die vorläufige Forschungsfrage zu diskutieren.

In einem abschließenden Plenum gab es die Möglichkeit, Feedback zu geben. Die Stimmung war sehr gut. Arbeit und neue Herausforderungen stünden bevor, die aber viel Interessantes, Spannendes und auch Lustiges mit sich bringen würden, darin waren sich am Ende des ersten Tages die meisten einig.

Wie sieht so ein Forschungsprozess nun konkret aus?

Am Dienstag ging es für die ForscherInnen daran, konkret zu werden und einen wohlüberlegten Forschungsplan zu erstellen. Was ist das überhaupt ein Forschungsplan?, fragten sich wahrscheinlich einige. Der erfahrene Wissenschaftler Andreas Novy erzählte in einem TV- Live-Interview, was es denn heißt, empirisch zu forschen und wozu so ein Plan und eine Forschungsfrage gut sind. Lab2 034.JPG
Bei der weiteren Arbeit in den Kleingruppen ermöglichten, wie bereits am Vortag,  methodisch, didaktisch und pädagogisch wertvolle, gut ausgeklügelte Arbeitsschritte eine strukturierte Herangehensweise.
Der Forschungsplan musste in Hinblick auf Umsetzungsmöglichkeiten, Interessen und Teilhabe aller diskutiert und im Anschluss erstellt werden. Eine große Herausforderung, wie sich im Laufe des Vormittags herausstellte. 

Was weiß ich schon und wie erfahren wir Neues?

In einem ersten Schritt gab es die Möglichkeit, Materialrecherche zu betreiben. Ziel war es, anhand verschiedenster Quellen Wissen und Informationen zum Thema zu sammeln. Dafür konnten sowohl Bibliothek und Internet genutzt, als auch mit erfahrenen WissenschaftlerInnen vor Ort gesprochen werden.
Bei der nächsten Aufgabe galt es, Methoden der empirischen Sozialforschung zu diskutieren. Schließlich musste sich jede Kleingruppe damit befassen, wie sie ihre Forschungsfrage beantworten könnte. Dafür musste die geeignete Methode gefunden werden. Sie auszuwählen ist schwierig, zumal bei dieser Aufgabe viele neue Fragen auftauchen. Was erfährt man durch einen Fragebogen, warum macht man eher ein Interview? Wie konkret ist unser Forschungsfeld? Was darf man von wem erwarten und werden die befragten Menschen überhaupt mit uns reden?
Lebhafte Diskussionen kamen in Gang, die von der Motivation und Neugierde, aber auch von dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit der jungen ForscherInnen zeugten.


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Wie gehts jetzt weiter?

Mit all diesen erarbeiteten Bausteinen wurde dann an einem Forschungsplan gebastelt. Eine konkrete Formulierung der Forschungsfrage sowie Thesen und die dazugehörige Methode wurden festgelegt. Aber auch die nächsten Schritte mussten besprochen werden. Dabei war es zuerst wichtig, die Rollenverteilung der Gruppenmitglieder im Forschungsprozess abzuklären. Sich dieser Rolle und der dazugehörigen Aufgaben bewusst zu werden, leitete ein produktives Miteinander ein. In schriftlicher Form wurde festgehalten: Wer macht was, wann und wo? Wer hat welche Kontakte? Wem fällt was leichter? Wie funktioniert die Kommunikation untereinander und wer übernimmt sie?
Mögliche Antworten auf diese Fragen, Erkenntnisse der beiden Tage und weitere Vorhaben und Pläne haben alle Gruppen in ihrer Forschungsbox gesammelt, mit der sie nach zwei Tagen Forschungslab entlassen wurden.
Wir werden mit Spannung den Arbeitsprozess verfolgen und freuen uns auf die Ergebnisse.






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