Kunst verbindet

Von 14. - 17. April 2011 findet in Secanj ein Kulturfestival mit Theaterschwerpunkt statt. Seit dem letzten Besuch bei der serbischen Partnerschule Aleksa Santic im Oktober 2010 im Rahmen des Projekts Ungleiche Vielfalt entwickelte sich eine Kooperation mit dem Verein Im.Ausland und Studentinnen der Internationalen Entwicklung. Das Kulturfestival The new architecture of movements ist offen für Menschen jeder Herkunft und soll einen interkulturellen Dialog und ein Voneinanderlernen ermöglichen.
Katrin Aiterwegmair | 07.03.2011

Secanj ein Ort der Vielfalt

Der kleine, stets von verschiedenen Ethnien bewohnte Ort in der Vojvodina, befand sich einmal im Zentrum des Habsburger Reiches. Heute liegt Secanj direkt vor der Haustür der Festung EU und viele junge Menschen richten ihre Blicke sehnsüchtig auf die andere Seite der Grenze im Norden. Die von Krieg, Korruption und Armut geprägte Geschichte und Gegenwart der Region lassen wenig Hoffnung für die Zukunft aufkommen. Ein Viertel der Bevölkerung Secanjs sind Roma, die kaum Chancen auf Bildung, Arbeit oder politische Artikulation haben. Sie leben nicht nur am Rande der Gesellschaft, sondern sehr oft auch am Rande der Existenz.

Interkultureller Dialog

Aber es herrscht keineswegs nur Resignation in Secanj. Ein engagierter Kulturverein namens GEST erarbeitet mit jungen Menschen Theaterstücke, organisiert offene Kunsttreffen mit dem Namen Art Colonies und lädt KünstlerInnen aus aller Welt in das kleine Städtchen. Heuer findet von 14. - 17. April ein Kulturfestival mit dem Titel The new architecture of movements statt, an dem Theatergruppen aus Serbien, Frankreich, Rumänien und Österreich teilnehmen. Neben Theater finden auch etliche Workshops zu anderen Kunstformen, wie Malerei und Bildhauerei statt. Der Charakter des Festivals ist offen, das heißt jedeR ist eingeladen, Workshops anzubieten oder daran teilzunehmen.
Unser Beitrag der Theatergruppe vom Verein Im.Ausland ist ein dreitägiger Workshop mit den Methoden des Theaters der Unterdrückten, sowie Workshops und Diskussionsrunden zu Alltagserfahrungen, Zukunftswünschen und Wegen der Veränderung.

Theater als Mittel der Kommunikation und Transformation

Das von Augusto Boal während der Militärdiktatur in Brasilien entwickelte Theater der Unterdrückten ist eine Form von politischem Theater. Es zielt besonders auf die Bewusstwerdung von Unterdrückungsstrukturen sowie auf eine Ermächtigung zur Handlung ab. Es besteht aus Spielen und Übungen, die vor allem Spaß machen und das Vertrauen zu sich und anderen stärken. Sie ermächtigen Menschen sich in einem geschützten und freien Raum auszudrücken, auszutauschen und Handlungen auszuprobieren. Gemeinsam werden gesellschaftliche Probleme reflektiert und Handlungsmöglichkeiten ausgelotet. Im interkulturellen Dialog, der eben keineswegs nur verbal stattfindet, werden Solidarität und Empathie gelebt und gelernt. Wir wollen vor allem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, ihre Probleme, Wünsche und Hindernisse zu artikulieren und gemeinsam Aktionsmöglichkeiten zu suchen.
Während des Workshops wird auch eine Forumtheaterszene erarbeitet, die am letzten Abend aufgeführt wird. So werden die Themen, die die TeilnehmerInnen bewegen, an ein größeres Publikum herangetragen, das zur aktiven Teilnahme aufgefordert ist.

Ein Stein, der ins Rollen kam

Die Zusammenarbeit am Kulturfestival ist ein Ergebnis der Netzwerkaktivität des Paulo Freire Zentrums. Es unterstützt seit einigen Jahren den Verein Im.Ausland, der die treibende Kraft in der Kooperation mit Secanj ist. Weiters wurde Studentinnen der Internationalen Entwicklung, die an der Lehrveranstaltung im Rahmen des Projektes Ungleiche Vielfalt teilnahmen, der Besuch der Projektpartnerschule in Secanj ermöglicht.
Mithilfe von Motivation und Engagement entwickelte sich in Wien eine Theater der Unterdrückten - Gruppe, die sich der Kooperation mit Secanj widmet. Weitere Früchte des munteren Netzwerkens des Vereins Im.Ausland sind vielfältige Kontakte zu Interessierten und UnterstützerInnen mit Know-How zu Regionalentwicklung und sozialen Bewegungen. Das Festival sehen wir als Chance für einen beidseitigen Lernaustausch im Sinne Paulo Freires. Bereits die bisherige Zusammenarbeit zeigt, dass sich scheinbar kleine Impulse von engagierten Menschen multiplizieren und so viel bewegen können. Voraussetzung dafür ist, dass Menschen zusammenkommen, in den Dialog miteinander treten und mit Optimismus ausgestattet gemeinsam etwas tun. Unsere Perspektive ist eine partizipative Entwicklung von unten. Statt in ungleiche Abhängigkeitsverhältnisse zu treten, gilt es, das eigene kollektive Potential zu erkennen und daraus zu schöpfen. Dafür wollen wir in Secanj einen Beitrag leisten.

Interessierte sind herzlich eingeladen, an dem Festival teilzunehmen. Für weitere Infos bitte den Verein Im.Ausland kontaktieren: im.ausland@gmail.com 

Kunst ist kein Luxusmittel, in schönen Seelen die Gefühle der Schönheit, der Freude oder dergleichen auszulösen, sondern eine wichtige geschichtliche Form des gesellschaftlichen Verkehrs der Menschen untereinander, wie die Sprache. - Rosa Luxemburg, 1913



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