Das tragische Schicksal einer Rom-Lovara-Familie
Ceija Stojka wurde 1933 als fünftes von sechs Kindern einer burgenländischen Rom-Lovara-Familie in der Steiermark geboren. So wie andere Lovara-Familien waren die Mitglieder ihrer Famile auch fahrende PferdehändlerInnen.Mit der Annexion Österreichs an Deutschland wurde ihre Familie jedoch gezwungen, sesshaft zu werden und sie zogen nach Wien.
Ab diesem Zeitpunkt war das Leben der Familie Stojka von unvorstellbarer Grausamkeit, Vernichtung und Unmenschlichkeit geprägt. Ihr Vater, Karl Wakar Horvath Stojka, wurde 1941 nach Dachau gebracht und 1942 in der Euthanasieanstalt Hartheim umgebracht. Bald darauf wurde der Rest der Familie nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Von der 200 Personen zählenden Großfamilie Stojka überlebte nur Ceija zusammen mit ihrer Mutter, Sidi, und vier ihrer Geschwister. Ceija Stojka entkam insgesamt drei Konzentrationslagern.
Aufgrund fehlender Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten gingen Ceija Stojka und ihre Mutter nach 1945 wieder auf Reisen. Langsam fing die Familie an, Fuß zu fassen. Ceija Stojka ging zurück in die Schule und in den darauf folgenden Jahren verdienten sie und ihre Geschwister als MarktfahrerInnen, die auf verschiedenen Jahrmärkten Teppiche und Stoffe verkauften, ihren Lebensunterhalt.
Ceija Stojkas künstlerisches Schaffen eine Pioneerinnenarbeit
In den 1980ern besannen sich Ceija Stojka und ihre zwei Brüder ihrer künstlerischen und musikalischen Wurzeln und nützten diese, um der Ignoranz der österreichischen Öffentlichkeit gegenüber dem Holocaust und der Geschichte der Roma und Sinti entgegenzutreten. Mit ihrem ersten Buch Wir leben im Verborgenen (1988) betrat Ceija Stojka Neuland in zweierlei Hinsicht. Zum einen stellte ihr Buch die erste Autobiographie innerhalb Österreichs zum Thema des Mordes an österreichischen Roma und Sinti während des Holocaust dar, zum anderen glich ihr Bericht einer Art Tabubruch innerhalb traditioneller Lovara-Roma-Gemeinschaften, war das Sprechen innerhalb dieser nämlich den Männern vorbestimmt.Zu dieser Zeit fing Ceija Stojka auch an, das Liedgut der Rom-Lovara zu verbreiten und ihre Erfahrungen in Bildern zu verarbeiten. In ihren Bildern spiegeln sich zum einen das viele Leiden und Sterben in den Konzentrationslagern wider. Eindrücke von Krematorien, abgemagerten Gestalten und toten Körpern zeigen die Grausamkeiten jener Zeit. Es geht Ceija Stojka wie sie dem Paulo Freire Zentrum bei der Übergabe des Schutzmantels erzählte - darum, diese Geschichte nicht ins Vergessen geraten zu lassen. In einem Bild gibt sie daher den vielen vergessenen Seelen ihren Mund, damit diese wieder sprechen können.
Neben dem Schmerz und der Trauer erzählen andere Bilder von positiven Erinnerungen von einem Leben auf Wanderschaft, von der schönen Natur und den vielen Roma-Festen. Ceija Stojka gab demnach mit ihrem künstlerischen Schaffen den Anstoß für eine Roma-Bewegung, die nicht nur ihr Schicksal, aber auch ihre reichhaltige Geschichte und Kultur einer breiteren Öffentlichkeit näher bringt.
Foto: Bettina Felzmann
Mit dem Verein exil veranstaltet Ceija Stojka ein bis zweimal im Jahr Workshops mit Schulen, bei denen sie die SchülerInnen durch ihre Ausstellung führt und aus ihrem Leben erzählt. Im Anschluss daran können die SchülerInnen in einem Malworkshop ihre Eindrücke in eigenen Bildern verarbeiten. Die Bilder der KMS 18, Schopenhauerstraße und des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums Kundmanngasse sind derzeit im Amerlinghaus zu bewundern.
Bei einer von Roma-Musik umrahmten Abschlussveranstaltung begegneten die SchülerInnen noch einmal Ceija Stojka. Die KMS 18 brachte ihr bei dieser Veranstaltung mit dem Titel Te awen bachtale (Ihr sollt glücklich sein) eine große Überraschung mit
Das Schutzmantelprojekt
Dieses Projekt wurde im Rahmen der Projektausschreibung Interkulturalität und Mehrsprachigkeit eine Chance! vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur durchgeführt. Im Anschluss an den Workshop der KMS 18 mit Ceija Stojka setzten sich die SchülerInnen der 4a und 4b intensiv mit Kultur und Sprache der Roma und Sinti auseinander. Dies geschah unter anderem in Form von Auseinandersetzungen mit den Büchern von Ceija Stojka, durch Begegnungen mit anderen ZeitzeugInnen und durch einen Besuch in Mauthausen. Da in den 4. Klassen selbst 9 Roma sind, wurden diese in die Gestaltung des Projekts stark miteinbezogen. Diese Aktivitäten verliefen parallel zu den Arbeiten der Forschungsteams zu den Themen Roma und ihre Schwierigkeiten im österreichischen Bildungssystem und Auseinandersetzung mit dem Terminus ´Fahrendes Volk´ im Projekt Ungleiche Vielfalt.Im Rahmen des Schutzmantelprojekts veranstalteten die SchülerInnen von Djurica Nikolic vom Verein Im.Ausland einen Roma-Elternabend, bei dem den Eltern das Projekt vorgestellt wurde. Hauptelement des Projekts war jedoch die Erstellung eines Schutzmantels mit künstlerischer Unterstützung. Die Außenseite des Wendemantels spiegelt das persönliche Werk von Ceija Stojka wider. Der Baum des Konzentrationslagers steht für Ceija Stojka für die Kraft, die Sonnenblume wird in einem ihrer Gedichte als die Blume beschrieben, die uns zum Lachen bringt im Gegensatz zur Rose, die für das Weinen und das Leid steht. Über den Mantel zieht sich ein Stacheldraht bestückt mit Tautropfen, die vielen Menschen aufgrund ihrer Feuchtigkeit das Leben retteten. Fehlen durfte natürlich auch nicht das Roma-Rad.
Die Innenseite ist mit schützenden Symbolen verziert, die die SchülerInnen Ceija Stojka mit auf den Weg geben wollen. Zu sehen ist zum Beispiel eine Friedenstaube oder ein starker Bär. Damit Ceija Stojka auch die Gesichter der SchülerInnen im Gedächtnis bleiben, sind deren Fotos am unteren Ende des Mantels angebracht.
Ceija Stojka bezeichnete den Schutzmantel als Zeichen der Menschlichkeit, des Friedens und des Lebens. Er zeige, dass die Ereignisse nicht verdeckt werden dürften. Zentral sei es daher, dass diese Erfahrungen immer weiter getragen würden. Daher sei dieser Mantel ein Schutzmantel für alle Menschen, vor allem aber für die werdenden Mütter und deren Kinder. In diesem Sinne habe der Mantel Himmel und Erde verbunden.