Das Istanbul Lisesi
Viele Elternteile von SchülerInnen an Wiener Schulen stammen aus der Türkei. Dies war ein wichtiger Grund, das Istanbul Lisesi in das Projekt einzubeziehen. Der Austausch mit einer Schule in der Türkei bietet daher die Möglichkeit zu einer differenzierteren Auseinandersetzung mit einem wichtigen Herkunftsland von Eltern und SchülerInnen mit Migrationshintergrund in Wien. Sowohl SchülerInnen mit türkischem Migrationshintergrund, als auch ihren MitschülerInnen und LehrerInnen sollen dadurch neue Erkenntnisse und ein besseres Verständnis für die Lebensrealitäten in der Türkei ermöglicht werden. Um nicht in den Stereotypen über die rückständige Türkei zu verharren, fiel die Wahl sehr bewusst auf eine Schule, die nicht nur als eine der besten der Türkei gilt, sondern auch als wichtige öffentliche Institution in Istanbul anerkannt ist.
In dieser allgemeinbildenden höheren Schule ist Deutsch die erste Fremdsprache und auch Unterrichtssprache in den naturwissenschaftlichen Fächern. Das Istanbul L
isesi ist eine öffentliche Schule, die als Ausbildungsort der türkischen Bildungselite verstanden werden kann. Jedes Jahr bewerben sich tausende türkische SchülerInnen bei der zentralen Aufnahmeprüfung für die Gymnasialstufe, der OKS Ortaöretim kurumlar snav um einen Platz am Istanbul Lisesi.
Diese Schule ist weder repräsentativ für die gesamte Türkei noch für Istanbul als Stadt. Die erste Koordinationsreise dorthin zeigte aber sehr schnell, dass sie ein ausgesprochen interessanter Ort ist, um sich mit sozial-räumlicher Mobilität und den dahinter liegenden Strukturen auseinander zu setzen.
Der Geschichteklub
Um die türkischen TeilnehmerInnen des Projekts kennen zu lernen und die Dynamik in der neuen Partnerschule zu erleben, reisten Gerald Faschingeder, Sarah Habersack und Göksel Yilmaz vom 28. bis 31. März 2010 nach Istanbul. In der Schule lernten die MitarbeiterInnen des Paulo Freire Zentrums die Mitglieder des Geschichte Clubs kennen.
Der Geschichte Club - nun Hauptansprechpartner im Rahmen des Projekts - ist eine Gruppe von an Geschichte interessierten SchülerInnen zwischen zehn und 18 Jahren. Zurzeit besteht die Gruppe aus 40 Mitgliedern und wird von zwei Lehrkräften, Aye Gül Yayla und Seyid Iik, unterstützt. Die Leitung des Clubs übernehmen allerdings die SchülerInnen selbst. Für dieses Jahr haben die SchülerInnen Sinem und Uur Can das Amt der GruppenleiterInnen übernommen. Zum Programm des Geschichte Clubs gehören Nachmittagstreffen, die zwei Mal im Monat stattfinden. Des Weiteren wird einmal im Jahr eine Exkursion zu geschichtlich bedeutenden Stätten unternommen, wo sich die SchülerInnen als kulturhistorische ForscherInnen ausprobieren können. Die Arbeit und die Ergebnisse werden der Schule am Ende in einem Video präsentiert.
Fragen an den/die SimitverkäuferIn
In einem ersten Schritt stellte das Ungleiche Vielfalt-Team VertreterInnen des Lehrkörpers und dem Geschichteklub das Projekt vor. Am nächsten Tag ging es dann in die erste intensivere Zusammenarbeit mit den SchülerInnen, bei der der Verlauf eines Forschungsprozesses und die Formulierung von Forschungsfragen vorgestellt wurden.
Um sie für die nächsten Schritte im Projekt gut vorzubereiten, wurde den SchülerInnen danach eine kurze Einführung über das richtige Erstellen eines Fragebogens und die Herausforderungen bei biographisch-narrativen Interviews gegeben. Die Interviewübungen dazu, bei denen sie die Rolle eines/r Simit-Verkäufers/in übernehmen sollten, bereiteten sichtlich Spaß.
Zukunftsmusik
Das Treffen wurde auch dazu genutzt, den weiteren Verlauf des Projekts zu besprechen und die Potentiale der Zusammenarbeit auszuloten. Vereinbart wurde, dass der Geschichte Club nun Themen auswählt, die in Zusammenhang zum Überthema Mobilität stehen und anschließend ausarbeitet, anhand welcher Interview-Methode man sich dem Thema nähern und dieses untersuchen will.
Neben der Erarbeitung der selbst gewählten Forschungsthemen sind in Zukunft auch weitere Reisen geplant, bei denen die jeweiligen Forschungsresultate präsentiert werden sollen. Hier erscheint vor allem der Austausch unterschiedlicher Herangehensweisen, Ergebnisse und Perspektiven zum selben Überthema besonders interessant.
Die nächste Reise findet im Oktober dieses Jahres statt, wo dann auch SchülerInnen und Lehrende des BG 18 sowie Studierende der Partnerschule in Istanbul einen Besuch abstatten. Für Mai 2011 ist eine Gegeneinladung nach Österreich für SchülerInnen und Lehrende geplant. Bei diesem Treffen soll außerdem eine öffentliche Podiumsdiskussion stattfinden, zu der auch der wissenschaftliche Beirat nach Wien eingeladen wird.
Doch bis dahin soll den Teilnehmenden am Projekt die Möglichkeit geboten werden, sich untereinander auszutauschen. Zu diesem Zweck wurde über NING eine online-Plattform eingerichtet, die dem Austausch zu den bisherigen Forschungsergebnissen und dem Kennenlernen der SchülerInnen untereinander dienen soll.