Forschungslab Sprache I

Am Donnerstag, dem 25. März ging es weiter mit den Forschungslabors. An den folgenden beiden Tagen drehte sich alles um Kommunikation und Interviewformen. Verschiedene Arten des Interviews wurden den SchülerInnen und StudentInnen vorgestellt und anhand einiger Beispiele wurde klar, dass das Frage- und Antwortspiel nicht immer so einfach funktioniert, wie man vielleicht meint.
Laura Köfler | 22.04.2010

Morgenstund hat Gold im Mund


Bereits in den frühen Morgenstunden mussten SchülerInnen, Studierende und Lehrende von der Kooperativen Mittelschule 18, dem Bundesgymnasium, der Wirtschaftsuniversität Wien und der Universität Wien ihren (Körper-)Einsatz unter Beweis stellen. Bei der Bodypercussion wurde der Körper kurzzeitig zum Schlaginstrument, mit Händen und Füßen ging es ans Musizieren. Dabei verlangte das Klatschen und Stampfen im richtigen Rhythmus und dann sogar im Kanon viel Konzentration von den TeilnehmerInnen. Doch das Aufwärmspiel erfüllte seinen Zweck: Die Aufmerksamkeit der SchülerInnen und StudentInnen war geweckt.

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Mit dem Kochlöffel in der Funktion als Mikrofon ausgerüstet, interviewte Gerald Faschingeder die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen des Paulo Freire Zentrums und eine Diplomandin zu den Projektzielen, der Rolle und den Aufgaben von sozialwissenschaftlichen ForscherInnen und der Frage ob SchülerInnen auch zu ForscherInnen werden könnten. Die MitarbeiterInnen mussten dabei die Herausforderung meistern, die durchaus komplexe Sprache der Wissenschaft in klare und verständliche Worte zu übersetzen. Dabei wiesen sie besonders auf Neugier und die Fähigkeit Fragen zu stellen als wichtige Kompetenzen eines/einer Forschers/in hin und diese Kompetenzen können SchülerInnen wohl eindeutig aufweisen. Mit einem Schmunzeln wiesen die Interviewten außerdem darauf hin, dass SchülerInnen und deren Perspektiven eine Bereicherung für Forschung sein können, da diese nicht immer glauben schon alles zu wissen, wie es manchmal erfahrenere WissenschaftlerInnen zu meinen scheinen.
Zwar sind Interesse und Neugier zu dem jeweiligen Forschungsthema bereits eine gute und wichtige Voraussetzung für das Arbeiten in der Wissenschaft, jedoch benötigt man auch die richtige Vorgehensweise, um einer Sache auf den Grund gehen zu können. Neben vielen anderen Möglichkeiten bietet sich auch das wissenschaftliche Interview als Methode an, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dabei betonten die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen, wie wichtig es für ein gutes Interview sei, die richtigen Fragen zu stellen und diese genau zu formulieren.

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Die Worte im Mund verdrehen


Zum Einstieg zeigte das Projektteam mit amüsanten journalistischen Interview-Beispielen, dass sowohl ein/e zu redselige/r als auch ein/e zu verschlossene/r GesprächspartnerIn ein gutes Interview deutlich erschweren können. Dabei sollten die SchülerInnen und Studierende jeweils selber analysieren, wo die Stärken beziehungsweise Mängel des Interviews lagen.
Dass der/die FragenstellerIn nicht immer die Richtung des Gesprächs bestimmt, wurde am Beispiel des Interviews von Ingrid Thurnher mit Otto Waalkes in der ZIB2 deutlich. Zwar plapperte Waalkes ohne Punkt und Komma, ging jedoch auf keine der gestellten Fragen ein und übernahm schließlich selbst die Leitung des Interviews.

Mit dem Körper sprechen


Dass in einem Gespräch nicht nur unser Mundwerk, sondern wesentlich mehr Teile unseres Körpers aktiv sind, wurde in der nächsten Übung deutlich. Die Aufgabe an die TeilnehmerInnen bestand darin, die Regionen des Körpers auf Plakaten zu kennzeichnen, welche ebenfalls kommunizieren und zum Beispiel erzählen können, wie der Gemütszustand einer Person gerade ist. So wurden beispielsweise die Augen markiert, welche durch ein Leuchten oder einen finsteren Blick unsere Freude beziehungsweise unseren Ärger verraten können.

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Als nächstes wurden die TeilnehmerInnen in kleinere Gruppen eingeteilt. Dort beschäftigte sich jede mit einer anderen Interviewmethode zu unterschiedlichen Themen. Eine Kleingruppe diskutierte über das Thema Fremd-Sein. Nachdem man sich zu diesbezüglichen Erfahrungen ausgetauscht hatte und die Methode des narrativen Interviews von Simone Grosser und Nina Borufka vorgestellt wurde, erarbeiteten die SchülerInnen mit den Studierenden Fragen zum Thema Fremd-Sein, welche für ein narratives Interview geeignet wären.
Eine zweite Gruppe befasste sich unter der Leitung von Gerald Faschingeder mit dem Thema Facebook und Freundschaften im Internet und erörterte dieses in Form einer Gruppendiskussion und erlernte dadurch auch die Methode dieser Interviewform.
Die dritte Gruppe, welche Sarah Habersack betreute, entwarf Fragebögen zum Thema Zukunftswünsche und -perspektiven in Bezug auf Arbeit und Weiterbildung, die dann ausgefüllt und analysiert wurden.

Das Feedback, bezogen auf den ersten Tag der Sprachwerkstatt, war großteils positiv. Zwar kamen einige SchülerInnen und StudentInnen am Morgen noch mit gemischten Gefühlen zum Forschungslabor, da sie nicht genau wussten, was sie dort erwarten würde, jedoch äußerten sich rückblickend die meisten sehr erfreut zum Verlauf des Vormittags.

 

Lesen Sie auch Teil II zum Forschungslab Sprache.



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